{"id":290,"date":"2021-10-13T19:09:51","date_gmt":"2021-10-13T17:09:51","guid":{"rendered":"http:\/\/landmaschinenfreunde-louisendorf.de\/?p=290"},"modified":"2022-04-15T18:05:21","modified_gmt":"2022-04-15T16:05:21","slug":"eindruecke-von-der-hochwasserkatastrophe-juli-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/landmaschinenfreunde-louisendorf.de\/?p=290","title":{"rendered":"Eindr\u00fccke von der Hochwasserkatastrophe Juli 2021"},"content":{"rendered":"\n<p>Am 23. Juli um 4:45 Uhr machten wir uns auf den Weg ins Hochwassergebiet in der Eifel. Ziel war erstmal Altenahr, aber wir, Richard und ich, waren uns einig, wenn unterwegs um Hilfe gebeten wird, dann helfen wir vor Ort. Wir hatten einen 50 PS Schlepper auf dem Anh\u00e4nger dabei und waren proviantm\u00e4\u00dfig f\u00fcr mehrere Tage ausger\u00fcstet. Da Teile der Autobahnen durch das Hochwasser nicht befahrbar waren, halfen uns meine Ortskenntnisse, \u00fcber \u201cSchleichwege\u201c ins Zielgebiet zu gelangen.<\/p>\n\n\n\n<p>So kamen wir gegen 7:30 Uhr, trotz Verbotsschildern, nach Schuld an der Ahr. Das Bild, das sich uns bot, \u00fcbertraf die Bilder, die wir aus dem TV kannten. Eine Schneise der Verw\u00fcstung hatte sich durch das Dorf gefr\u00e4st. Die Ahr, im Normalfall zwischen ca. 5 und 8 m breit, hatte sich auf Rheinbreite durch den Ort geschoben und alles mitgenommen, was ihr im Wege stand. Wir sahen in offene H\u00e4user, die einem Aufriss \u00e4hnlich, dort standen. PKWs hingen vereinzelt noch in den B\u00e4umen. Im Ort gab es eine Art Kommandozentrale der Bundeswehr, die die reichlich vorhandenen Kr\u00e4fte der BW, des THW und der Feuerwehren koordinierte. Ich fragte nach, wo wir helfen k\u00f6nnten, aber dort konnte man uns nicht einsetzen!!?? Einen Tipp gab es aber, \u201cfragen Sie die B\u00fcrger unten im Ort, wer noch Hilfe ben\u00f6tigt\u201c. Also zogen wir samt Traktor von Haus zu Haus, bekamen aber immer wieder ein \u201cNein Danke\u201c zu h\u00f6ren. Vielleicht auch aus Vorsicht vor schon dagewesenen Pl\u00fcnderern und Dieben!!?? Dann konnten wir endlich helfen, \u00d6lf\u00e4sser, F\u00e4sser mit unbekanntem Inhalt und einen K\u00fchlschrank auf die mitten im Dorf liegende provisorische Deponie zu bringen. In einem kurz vor der Er\u00f6ffnung stehendem Gasthof halfen wir, Teppichb\u00f6den rauszurei\u00dfen, die noch brauchbaren Heizk\u00f6rper abzubauen und den Putz von den W\u00e4nden zu entfernen. Einen Anbau, der vom Schlamm befreit werden sollte, inspizierten wir kurz und lehnten ab, da in unseren Augen einsturzgef\u00e4hrdet. Das nahm man uns nicht \u00fcbel, denn verletzte oder gar tote Helfer n\u00fctzen keinem. Wir zogen weiter durch die Stra\u00dfen &#8211; \u00fcberall dieser modrige Geruch. Wir kamen mit einem \u00e4lteren Mann ins Gespr\u00e4ch, nein, Hilfe brauchte er nicht. \u201cVielleicht die noch \u00e4lteren Nachbarn direkt nebenan, tja und noch ein Haus weiter, die sind heute Morgen abgereist und kommen NIE MEHR WIEDER!!!\u201c Ich hab einen Klo\u00df im Hals, bekomme feuchte Augen, auch jetzt, beim Schreiben dieser Zeilen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/landmaschinenfreunde-louisendorf.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/flut.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-310\" width=\"502\" height=\"375\" srcset=\"https:\/\/landmaschinenfreunde-louisendorf.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/flut.png 733w, https:\/\/landmaschinenfreunde-louisendorf.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/flut-300x224.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 502px) 100vw, 502px\" \/><figcaption>Foto: Lothar van Koll<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>In Schuld gab es anscheinend nichts mehr f\u00fcr uns zu tun. Wir lie\u00dfen Zugfahrzeug und Anh\u00e4nger zur\u00fcck und fuhren mit dem Trecker ins Nachbardorf, nach Insul. Auch hier ein Bild der Verw\u00fcstung. Und wieder zogen wir von Haus zu Haus und boten unsere Hilfe an. Ich sprach einen Herrn an, der mit der Schubkarre, schwei\u00dfgebadet, Schutt aus seinem Haus fuhr. Auch er ben\u00f6tigte keine Hilfe, aber da dr\u00fcben in dem Haus, die k\u00f6nnten wohl Hilfe gebrauchen. Dort angekommen gab es reichlich Arbeit &#8211; wie sich herausstellen sollte, sehr schwere Arbeit. Ein erst drei Jahre alter, gro\u00dfer Case Schlepper stand halbhoch quer unter einem offenen Schuppen und zwar genau vor einem Pfeiler. Also erstmal den Schlamm unter dem Traktor und an den Reifen wegschaufeln, damit man ihn r\u00fcber ziehen und dann gerade aus dem Schuppen ziehen konnte. So der Plan! Wir wurden schnell eines Besseren belehrt. Weder mit der Schaufel, noch mit dem Spaten konnte man etwas ausrichten. Der Schlamm war zwar noch weich, jedoch durchzogen mit allem, was man sich vor &#8211; stellen kann. \u00c4ste, Mais, Plastik, sonstiger Unrat, einfach alles!!! Gut, dass der Besitzer wenigstens noch eine Spitzhacke besa\u00df, denn seine restlichen Werkzeuge waren mit der Flut weggerissen worden oder unbrauchbar. Also mit der Hacke den Boden auflockern und mit den H\u00e4nden graben. Die Sonne brannte und wir kamen uns vor wie Don Quijote im Kampf gegen Windm\u00fchlen. Dann kam wie aus heiterem Himmel \u201eEngel Achim\u201c, ein Privatier aus Kaiserslautern, mit seinem Radlader und einem kleinen Schaufelbagger am Heck. Jetzt sahen wir endlich ein Vorw\u00e4rtskommen. Zu guter Letzt gesellte sich noch ein Nachbar samt Trecker und Seilwinde dazu. Mit der Seilwinde zog er gr\u00f6\u00dfere Teile wie z.B. eine blaue 200 l &#8211; Regentonne aus Kunststoff unter dem Case hervor. Wir trafen im Schlamm aber auch noch auf drei lebende Flusskrebse, die wir wieder an die jetzt ruhig flie\u00dfende Ahr brachten. Mit den beiden Traktoren und dem Radlader konnte der Case Schlepper dann in die richtige Position und letztendlich aus dem Schuppen gezogen werden. Etwas \u00fcber 4 Stunden hatte diese Aktion gedauert. Nun befreiten wir noch einen fast neuwertigen Pferdetransportanh\u00e4nger und begaben uns anschlie\u00dfend so langsam auf den Heimweg. Gegen 23:45 Uhr, also nach genau 19 Stunden, sind wir wieder am Startpunkt Autobahnanschluss Uedem angekommen. M\u00fcde, aber sehr zufrieden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 23. Juli um 4:45 Uhr machten wir uns auf den Weg ins Hochwassergebiet in der Eifel. 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